Amtsgericht Weiden i.d.OPf.

Teilungsversteigerung – und wie ein Gutachten sie verhindern kann

Wenn sich Miteigentümer nicht einigen, kann jeder die Versteigerung der gemeinsamen Immobilie beantragen. Für alle Beteiligten ist das meist die teuerste Lösung.

Foto: Allexkoch, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten

Wenn sich Miteigentümer nicht einigen, kann jeder die Versteigerung der gemeinsamen Immobilie beantragen. Für alle Beteiligten ist das meist die teuerste Lösung. Ein neutraler Wert ist oft der Schlüssel, um sie zu vermeiden.

Was ist eine Teilungsversteigerung?

Gehört eine Immobilie mehreren Personen gemeinsam, etwa einer Erbengemeinschaft oder getrennten Ehepartnern, kann jeder Miteigentümer beim Amtsgericht die Versteigerung beantragen, um die Gemeinschaft aufzulösen (§§ 180 ff. Zwangsversteigerungsgesetz). Die Zustimmung der anderen ist dafür nicht nötig. Der Erlös wird anschließend unter den Beteiligten verteilt.

Warum sie meist Geld kostet

  • Versteigerungen erzielen oft weniger als einen freien Verkauf
  • Gerichtskosten und Gutachterkosten des Gerichts gehen vom Erlös ab
  • Das Verfahren dauert häufig ein Jahr oder länger
  • Der Streit zwischen den Beteiligten verschärft sich oft zusätzlich

Der Weg über das Gutachten

Die meisten Streitigkeiten drehen sich um eine Frage: Was ist die Immobilie wert? Ein neutrales, von allen Beteiligten gemeinsam beauftragtes Verkehrswertgutachten beantwortet sie und ist häufig die Grundlage dafür, dass ein Miteigentümer die anderen auszahlt oder man sich auf einen gemeinsamen Verkauf einigt. Ein gemeinsam beauftragtes Gutachten spart Kosten und verhindert, dass zwei gegensätzliche Parteigutachten gegeneinander stehen.

Die Optionen im Überblick

WegDas spricht dafürDas spricht dagegen
Einer übernimmt und zahlt die anderen ausDas Haus bleibt in der Familie, kein Verlust durch VersteigerungBraucht Finanzierung und einen akzeptierten Wert
Gemeinsamer freihändiger VerkaufMeist höherer Erlös als in der VersteigerungAlle müssen zustimmen
TeilungsversteigerungAuch gegen den Willen der anderen möglichOft niedrigerer Erlös, Kosten, lange Dauer

Bei der ersten und zweiten Variante hilft ein belastbarer Wert besonders, bei der dritten dient er zur Prüfung des vom Gericht festgesetzten Werts. Wie bei einer Erbengemeinschaft der Streit um den Wert vermieden wird, beschreibt der Ratgeber Erbengemeinschaft: Streit um den Wert vermeiden.

Wenn es doch zur Versteigerung kommt

Im Verfahren setzt das Gericht einen Verkehrswert fest, meist auf Grundlage eines eigenen Gutachtens. Halten Sie diesen Wert für falsch, kann ein eigenes Gutachten Grundlage für eine Stellungnahme sein. Mehr dazu unter Zwangsversteigerung. Die rechtlichen Schritte besprechen Sie bitte mit Ihrem Anwalt.

Verkehrswertgutachten oder Kurzgutachten?

Wollen sich alle Beteiligten einigen und prüft weder Gericht noch Finanzamt den Wert, kann ein Kurzgutachten genügen. Bei Streit, bei einer drohenden Teilungsversteigerung oder wenn der Wert vor Gericht verwendet werden soll, brauchen Sie ein vollständiges Verkehrswertgutachten. Ein Kurzgutachten genügt dort nicht.

Kosten

Das Honorar richtet sich nach dem Wert der Immobilie: Das Verkehrswertgutachten kostet zwischen 1.580 € (bis 150.000 €) und 3.570 € (bis 1 Mio. €), das Kurzgutachten 1.180 €, jeweils inkl. MwSt. und zzgl. Fahrtkosten. Den Preis erhalten Sie vorab verbindlich. Bei gemeinsamer Beauftragung teilen sich die Beteiligten die Kosten. Ihren Preis berechnen Sie im Honorar-Rechner unter Honorar und Preise.

Der Ablauf im Überblick

SchrittWas geschiehtWo ein Wert hilft
AntragEin Miteigentümer beantragt beim Amtsgericht die TeilungsversteigerungVorher klären, ob eine Einigung auf Basis eines neutralen Werts möglich ist
AnordnungDas Gericht ordnet das Verfahren an; die anderen Miteigentümer werden beteiligtEin eigenes Gutachten zeigt, ob die Vorstellungen auseinanderliegen
VerkehrswertDas Gericht beauftragt einen Sachverständigen und setzt den Verkehrswert festPrüfung des gerichtlich festgesetzten Werts auf Plausibilität und Aktualität
TerminBieter geben Gebote ab; der Zuschlag geht an das höchste zulässige GebotBietlimit für Miteigentümer, die selbst ersteigern wollen
VerteilungDer Erlös wird nach Abzug der Kosten unter den Beteiligten verteiltGrundlage für die Frage, ob eine Einigung vorher mehr gebracht hätte

Die Schritte zeigen den groben Gang; die rechtliche Gestaltung und Fristen klärt Ihr Anwalt.

Gewerbeimmobilien und Mehrfamilienhäuser in der Gemeinschaft

Auch Gewerbeobjekte und vermietete Häuser gehören manchmal mehreren Eigentümern, etwa nach einem Erbfall oder bei einer aufgelösten Partnerschaft. Dort kommen Mietverträge, Mieteinnahmen und laufende Kosten hinzu. Wir bewerten solche Objekte im Ertragswertverfahren und weisen aus, wie sich Mieten, Laufzeiten und Leerstand auf den Wert auswirken. Das hilft bei der Frage, ob ein Miteigentümer übernimmt, ob verkauft wird oder ob die Gemeinschaft aufgeteilt wird. Siehe auch Gewerbeimmobilien bewerten.

Häufige Fragen

Kann ich eine Teilungsversteigerung verhindern?
Nur in engen Ausnahmefällen, etwa vorübergehend zum Schutz von Kindern oder bei Ehegatten mit Zustimmungsvorbehalt. Das prüft ein Anwalt. Der praktische Weg ist meist eine Einigung auf Grundlage eines neutralen Gutachtens.
Wer kann die Teilungsversteigerung beantragen?
Jeder Miteigentümer, also zum Beispiel jedes Mitglied einer Erbengemeinschaft. Die Zustimmung der anderen ist nicht nötig.
Wie hilft mir ein Gutachten dabei, mich zu einigen?
Es liefert einen neutralen Wert, auf den sich alle verlassen können. Damit lassen sich Auszahlung oder gemeinsamer Verkauf verhandeln, ohne dass jeder seinen eigenen Wert behauptet.
Soll ich das Gutachten allein oder gemeinsam beauftragen?
Wir empfehlen die gemeinsame Beauftragung. Das schafft Neutralität und spart ein zweites Gutachten. Beauftragt nur eine Seite, entscheidet sich im Einzelfall, ob die andere es anerkennt.
Reicht ein Kurzgutachten?
Nur wenn sich alle einig sind und keine Behörde den Wert prüft. Bei Streit oder vor Gericht brauchen Sie ein Verkehrswertgutachten.
Wie lange dauert das Gutachten?
Liegen alle Unterlagen vor, ist das Gutachten in der Regel 3–5 Werktage nach dem Ortstermin fertig.
Kann ich eine Teilungsversteigerung stoppen?
Ob und wie, beurteilt Ihr Anwalt. Aus Sicht der Bewertung hilft häufig ein gemeinsamer, neutraler Wert, mit dem sich die Beteiligten außergerichtlich einigen können.
Wer bezahlt das Gutachten im gerichtlichen Verfahren?
Das gerichtliche Gutachten wird vom Gericht beauftragt, die Kosten gehen grundsätzlich vom Erlös ab. Ein eigenes Gutachten beauftragen Sie selbst.

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Ratgeber zum Thema: Erbengemeinschaft: Streit um den Wert vermeiden · Geschwister auszahlen: der faire Immobilienwert

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