Wie das Erbbaurecht funktioniert
Der Erbbauberechtigte darf auf einem fremden Grundstück ein Gebäude errichten und besitzen, meist für 60 bis 99 Jahre. Dafür zahlt er dem Grundstückseigentümer, oft einer Kirche, Stiftung oder Gemeinde, einen jährlichen Erbbauzins. Geregelt ist das im Erbbaurechtsgesetz (ErbbauRG) und im jeweiligen Erbbaurechtsvertrag. Das Erbbaurecht wird im Grundbuch wie ein Grundstück geführt, es hat ein eigenes Erbbaugrundbuch. Es kann verkauft, vererbt und beliehen werden, oft aber nur mit Zustimmung des Grundstückseigentümers.
Was den Wert bestimmt
- Höhe des Erbbauzinses im Verhältnis zur angemessenen Verzinsung des Bodenwerts. Ist der Zins niedrig, hat der Erbbauberechtigte einen wirtschaftlichen Vorteil.
- Restlaufzeit: Je kürzer, desto geringer der Wert für den Erbbauberechtigten. Bei weniger als etwa 30 Jahren Restlaufzeit tun sich Käufer und Banken oft schwer.
- Anpassungsklauseln: Wie und wann darf der Erbbauzins erhöht werden? Bei Wohnbauten begrenzt das Gesetz die Anpassung (§ 9a ErbbauRG), der Vertrag kann eine Indexierung vorsehen.
- Heimfall und Entschädigung: Was passiert mit dem Gebäude bei Ablauf oder Heimfall, und wie hoch ist die Entschädigung? Bei Wohnzwecken sieht das Gesetz eine Mindestentschädigung vor.
- Zustimmungsvorbehalte für Verkauf oder Belastung (§ 5 ErbbauRG). Der Eigentümer darf sie nur aus den im Gesetz genannten Gründen verweigern.
- Verlängerungsoption: Gibt es einen Anspruch auf Verlängerung, und zu welchen Bedingungen?
Zwei Werte, zwei Perspektiven
Wir bewerten entweder das Erbbaurecht (Sicht des Hauseigentümers) oder das erbbaurechtsbelastete Grundstück (Sicht des Bodeneigentümers). Grundlage ist jeweils der Wert eines vergleichbaren unbelasteten Objekts, ergänzt um die finanziellen Vor- und Nachteile aus dem Vertrag. Die ImmoWertV sieht dafür eigene Verfahren vor. Der Bodenwert bleibt dabei die zentrale Rechengröße, denn der Erbbauzins wird mit der angemessenen Bodenwertverzinsung verglichen.
Vereinfachtes Beispiel: Bodenwertvorteil
| Position | Betrag |
|---|---|
| Bodenwert (unbelastet) | 90.000 € |
| Angemessener Erbbauzins: 3,0 % des Bodenwerts | 2.700 € / Jahr |
| Vereinbarter Erbbauzins | 1.800 € / Jahr |
| Vorteil des Erbbauberechtigten | 900 € / Jahr |
| × Barwertfaktor (50 Jahre Restlaufzeit, 3 %) ≈ 25,7 | rund 23.000 € |
Alle Zahlen sind frei gewählt und dienen nur der Veranschaulichung. Der Bodenwertvorteil ist nur ein Baustein, hinzu kommen der Wert des Gebäudes und weitere Merkmale des Vertrags.
Typische Anlässe für eine Bewertung
- Verkauf oder Kauf eines Hauses im Erbbaurecht
- Erbschaft oder Schenkung eines Erbbaurechts. Gegenüber dem Finanzamt zählt dabei nur das vollständige Verkehrswertgutachten, ein Kurzgutachten reicht dafür nicht. Mehr dazu: Verkehrswertgutachten oder Kurzgutachten.
- Verlängerung oder Neufestsetzung des Erbbauzinses
- Ankauf des Grundstücks durch den Erbbauberechtigten
- Finanzierung, weil Banken Restlaufzeit und Vertragsbedingungen genau prüfen
Welche Unterlagen wir brauchen
Für die Bewertung brauchen wir den vollständigen Erbbaurechtsvertrag mit allen Nachträgen, den aktuellen Erbbauzins samt Anpassungsmitteilungen, den Grundbuchauszug des Erbbaugrundbuchs und die üblichen Objektunterlagen. Welche das sind, zeigt die Checkliste Unterlagen.
Fragen zu Ihrem Fall? Wir sagen Ihnen ehrlich am Telefon, was nötig ist: 09605 / 66 92 588 oder Anfrage senden.
Häufige Fragen
Ist ein Haus im Erbbaurecht weniger wert?
Was passiert, wenn das Erbbaurecht ausläuft?
Darf der Eigentümer den Erbbauzins beliebig erhöhen?
Kann ich das Erbbaurecht ohne Zustimmung des Eigentümers verkaufen?
Wie wird ein Erbbaurecht bei der Erbschaftsteuer bewertet?
Brauche ich für ein Erbbaurecht ein Gutachten oder reicht der Bodenrichtwert?
Weiterlesen
- Dienstbarkeiten und Lasten im Grundbuch
- Bodenrichtwert und Bodenwert – der Unterschied
- Verkehrswertgutachten
Fachlich geprüft von Oliver Nitschke, zertifiziertem Sachverständigen für Immobilienbewertung (DIN EN ISO/IEC 17024). Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
