Logistikstandort in Westerkappeln

Logistik- und Lagerimmobilien bewerten lassen

Logistikflächen sind stärker standardisiert als andere Gewerbeimmobilien. Das macht sie gut vergleichbar – und zeigt schnell, wo eine Halle nicht mehr dem Markt entspricht.

Foto: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten

Kurz gesagt: Logistikimmobilien bewerten wir im Ertragswertverfahren. Halle, Büro und Freiflächen werden getrennt mit der nachhaltig erzielbaren Miete angesetzt. Lichte Höhe, Tore, Boden, Anbindung und Restlaufzeit der Mietverträge bestimmen Miete und Zins. Der Preis richtet sich nach dem Objekt und wird individuell vorab genannt.

Was wir unter Logistikimmobilien verstehen

Dazu gehören moderne Distributionshallen an Autobahnen ebenso wie ältere Lagerhallen im Gewerbegebiet, Speditionshöfe mit Umschlaghalle und Werkstatt oder Kühl- und Tiefkühllager. Viele Objekte in der Oberpfalz und in Niederbayern sind mittelgroße Hallen, die von regionalen Betrieben genutzt oder an Speditionen und Händler vermietet werden. Für die Bewertung ist entscheidend, welches Marktsegment ein Objekt tatsächlich bedient.

Was den Wert bestimmt

  • Lage und Verkehrsanbindung: Entfernung zur Autobahnauffahrt, Zufahrt ohne Ortsdurchfahrt, Nachtbetrieb möglich oder nicht.
  • Lichte Höhe: Moderne Lagerhallen werden deutlich höher gebaut als ältere Hallen. Eine niedrige Halle kann weniger Regalebenen aufnehmen und erzielt entsprechend weniger Miete je Quadratmeter.
  • Tore und Rampen: Anzahl der Überladebrücken und ebenerdigen Tore im Verhältnis zur Fläche.
  • Boden: Belastbarkeit und Ebenheit, etwa für Hochregale und Schmalgangstapler.
  • Stützenraster und Zuschnitt: große, stützenarme Flächen lassen sich flexibel nutzen und teilen.
  • Freiflächen: Lkw-Rangier- und Stellflächen, Wechselbrückenplätze, Pkw-Stellplätze.
  • Brandschutz und Technik: Sprinkleranlage, Brandabschnitte, Beleuchtung, Heizung, Dachzustand, Photovoltaik.

Welches Verfahren wir anwenden

Logistikflächen werden am Markt als Renditeobjekte gehandelt. Wir bewerten deshalb im Ertragswertverfahren. Ausgangspunkt ist die nachhaltig erzielbare Miete für Hallen-, Büro- und Freiflächen – getrennt angesetzt, weil sie sehr unterschiedlich vermietet werden. Unsere Kenntnis des regionalen Vermietungsmarkts hilft, realistische Mieten und Leerstandsrisiken einzuschätzen. Ein Objekt, das wir bewerten, vermitteln wir allerdings nicht – so bleibt das Gutachten unabhängig.

Bei eigengenutzten Hallen gehen wir genauso vor: Wir fragen, was ein Dritter für die Nutzung zahlen würde. Das Sachwertverfahren dient bei Standardhallen allenfalls zur Plausibilisierung.

Besonderheiten und Risiken

Mietverträge

Bei vermieteten Objekten prüfen wir Laufzeit, Verlängerungsoptionen, Wertsicherung, Nebenkostenregelung und wer Dach und Fach trägt. Liegt die Vertragsmiete über oder unter der Marktmiete, berücksichtigen wir den Unterschied nur für die Restlaufzeit. Ein langfristiger Vertrag mit einem soliden Mieter stabilisiert den Wert; ein Vertrag, der bald ausläuft, ist bei einer Halle mit veraltetem Standard ein Risiko.

Veraltung

Logistikhallen altern nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich: Die Anforderungen der Nutzer an Höhe, Tore und Bodenqualität steigen. Eine solide gebaute, aber niedrige Halle kann deshalb eine kürzere wirtschaftliche Restnutzungsdauer haben, als ihr Bauzustand vermuten lässt. Für die Abschreibung kann ein Restnutzungsdauer-Gutachten sinnvoll sein.

Genehmigungen und Nachbarschaft

Betriebszeiten, Lärmschutzauflagen und die Nähe zu Wohngebieten entscheiden, ob ein Standort für Schichtbetrieb geeignet ist. Wir sehen uns Baugenehmigungen und Bebauungsplan an. Bei Tanklagern oder Gefahrstofflagern kommen zusätzliche Auflagen hinzu.

Typische Anlässe

Welche Unterlagen wir brauchen

  • Grundbuchauszug, Lageplan, Baupläne und Baugenehmigungen
  • Flächenaufstellung: Halle, Büro, Sozialräume, Freiflächen
  • Technische Daten: Höhe, Tore, Bodenbelastbarkeit, Sprinkler
  • Mietverträge mit allen Nachträgen
  • Angaben zu Modernisierungen und bekannten Schäden, insbesondere am Dach

Praxistipp: Die technischen Daten stehen oft in der Baubeschreibung oder in alten Exposés. Wenn Sie diese Unterlagen vorab heraussuchen, können wir beim Ortstermin gezielt prüfen statt suchen.

Für Gewerbeimmobilien erhalten Sie ein individuelles Angebot.

Beispiel: Ertragswert einer Lagerhalle mit Büro und Freifläche

Eine Rechnung mit fiktiven Beispielzahlen: eine Lagerhalle mit 4.000 m², einem Bürotrakt mit 300 m² und 2.000 m² befestigter Freifläche.

SchrittRechnung (fiktives Beispiel)Ergebnis
Hallenfläche4.000 m² × 4,50 €/m² × 12216.000 €
Bürofläche300 m² × 8,00 €/m² × 1228.800 €
Freifläche2.000 m² × 1,00 €/m² × 1224.000 €
JahresrohertragSumme268.800 €
Bewirtschaftungskosten12 % (Mietausfallwagnis, Verwaltung, Instandhaltung)− 32.256 €
Jahresreinertrag268.800 € − 32.256 €236.544 €
Verzinsung des BodenwertsBodenwert 260.000 € × 6,5 %16.900 €
Kapitalisierung219.644 € × 12,20 (6,5 %, 25 Jahre)2.679.190 €
Ertragswert2.679.190 € + 260.000 € Bodenwert2.939.190 €
Verkehrswert (gerundet)ohne besondere objektspezifische Merkmale2.940.000 €
Änderung gegenüber dem BeispielErtragswertAbweichung
Liegenschaftszins 6,0 % statt 6,5 %3.084.000 €+ 5 %
Liegenschaftszins 7,0 %2.804.000 €− 5 %
Restnutzungsdauer 15 statt 25 Jahre2.325.000 €− 21 %

Das Beispiel zeigt, wie stark die Restnutzungsdauer wirkt. Eine Halle, die technisch noch gut ist, aber den Anforderungen der Nutzer nicht mehr entspricht, kann deshalb deutlich weniger wert sein, als ihre Substanz vermuten lässt. Siehe Restnutzungsdauer.

Moderne und ältere Logistikhallen im Vergleich

MerkmalModernÄlterer Bestand
Lichte HöheHoch, mehrere Regalebenen möglichNiedriger, weniger Lagervolumen
Tore und RampenViele Überladebrücken, ebenerdige ToreWenige Tore, teils nur Rampen
BodenHohe Belastbarkeit, ebenGeringere Belastbarkeit, Setzungen möglich
BrandschutzSprinkler, BrandabschnitteOft nachgerüstet oder fehlend
NutzerkreisBreit: Logistiker, Handel, IndustrieEnger: regionale Betriebe und Lagerung

Mietverträge bei Logistikobjekten

Bei Hallen sind die Mietverträge oft auf lange Laufzeiten ausgelegt, häufig mit Verlängerungsoptionen und Indexierung. Wir prüfen, wer Dach und Fach trägt, wie Nebenkosten verteilt sind und ob Rückbau- oder Wiederherstellungspflichten bestehen. Mehr dazu im Ratgeber Mietverträge und Wert und im Lexikon unter Verlängerungsoption und Indexmiete.

So läuft die Bewertung ab

Sie schildern uns Objekt und Zweck, wir erstellen ein individuelles Angebot. Nach dem Ortstermin, bei dem wir Hallen, Büros, Tore, Freiflächen und Zustand aufnehmen, werten wir Mietverträge, Unterlagen, Grundbuch und Marktdaten aus. Sie erhalten das schriftliche Gutachten, in der Regel 3–5 Werktage nach dem Ortstermin, sobald alle Unterlagen vorliegen. Was beim Termin passiert, beschreibt der Beitrag Der Ortstermin.

Kosten

Logistikimmobilien sind sehr unterschiedlich. Größe, Nutzung und Mietverhältnisse bestimmen den Aufwand, deshalb erhalten Sie von uns ein individuelles, verbindliches Angebot, bevor Sie sich entscheiden. Allgemeine Hinweise stehen unter Honorar und Preise.

Verkehrswertgutachten oder Kurzgutachten?

Für Banken, Gesellschafter, Finanzamt, Streitfälle und Gerichte brauchen Sie ein vollständiges Verkehrswertgutachten; ein Kurzgutachten genügt dort nicht. Für Ihre interne Orientierung kann ein Kurzgutachten reichen.

Altlasten und Umweltthemen

Logistikstandorte liegen oft auf früher gewerblich genutzten Flächen. Wir prüfen vorhandene Hinweise, etwa im Altlastenkataster, wenn Sie uns Auskünfte vorlegen, und berücksichtigen Verdachtsmomente im Wert. Eine Bodenuntersuchung führen wir nicht durch. Siehe Altlasten und den Ratgeber Altlasten und Gewerbegrundstück.

Portfolios mit mehreren Objekten

Besitzen Sie mehrere Hallen, bewerten wir sie zu einem einheitlichen Stichtag mit einheitlicher Methodik und weisen jedes Objekt einzeln aus. Das hilft bei Finanzierung, Bilanzierung und Verkauf. Siehe Portfoliobewertung.

Rechtsgrundlagen und Quellen

  • § 194 Baugesetzbuch (BauGB): Verkehrswert
  • Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV): Ertragswertverfahren, Liegenschaftszins, Bewirtschaftungskosten, Restnutzungsdauer
  • Baunutzungsverordnung (BauNVO) und Bebauungsplan für zulässige Nutzung und Lärmschutz
  • Marktberichte und Liegenschaftszinssätze der Gutachterausschüsse, soweit für das Segment veröffentlicht

Häufige Fragen

Wird die Halle mit oder ohne Mietvertrag bewertet?
Mit. Der Verkehrswert berücksichtigt bestehende Mietverträge. Weicht die Vertragsmiete von der Marktmiete ab, rechnen wir den Unterschied für die Restlaufzeit gesondert.
Wie wirkt sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach aus?
Das hängt davon ab, wem sie gehört und ob das Dach verpachtet ist. Eine Dachpacht kann als zusätzlicher Ertrag, eine Dienstbarkeit zugunsten eines Dritten als Belastung in den Wert einfließen.
Bewerten Sie auch Kühllager?
Ja. Bei Kühllagern prüfen wir besonders die technische Ausstattung und deren Restnutzungsdauer, weil sie den Kreis möglicher Nutzer stark einschränkt.
Wie bewerten Sie eine Logistikhalle mit langfristigem Mietvertrag?
Wir prüfen Laufzeit, Optionen, Indexierung und Bonität des Mieters. Ein langer Vertrag mit solidem Mieter stabilisiert den Ertrag. Am Ende der Laufzeit gilt die marktübliche Miete.
Welche Rolle spielt die Lage zur Autobahn?
Eine sehr große. Entfernung zur Auffahrt, Zufahrt ohne Ortsdurchfahrt und die Möglichkeit zum Nachtbetrieb bestimmen, welche Nutzer in Frage kommen und welche Miete erzielbar ist.
Werden Halle, Büro und Freifläche getrennt bewertet?
Wir setzen die Flächen mit eigenen Mieten an, weil sie am Markt unterschiedlich vermietet werden, und führen sie im Ertragswert zusammen.
Zählen Erweiterungsmöglichkeiten?
Ja, wenn Planungsrecht und Grundstück eine Erweiterung zulassen. Wir weisen im Gutachten aus, ob und wie sie berücksichtigt wurden.

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